Wertewandel in Westdeutschland

In der westdeutschen Gesellschaft kündigte sich nach Krieg und Wiederaufbau ein Mentalitätsumbruch an, der bis dahin geltende verbindliche Werte und Normen für das gesellschaftliche Zusammenleben infrage stellte. Eine erste wichtige Station war die „Spiegel-Affäre“ 1962. Die Verhaftung von Redakteuren des bekannten Nachrichtenmagazins aufgrund einer Veröffentlichung erschütterte die Öffentlichkeit und sensibilisierte für die Rolle von Pressefreiheit in der Demokratie. Weitere Stationen hin zu einem gewandelten öffentlichen Selbstverständnis waren die außerparlamentarische Opposition um das Jahr 1968 sowie die Botschaft des neu gewählten Kanzlers Willy Brandt „Mehr Demokratie wagen“ in seiner Regierungserklärung von 1969.

Etwa von 1975 bis 1990 fand der Wertewandel dann Ausdruck in den Neuen Sozialen Bewegungen. Hierzu zählen Erscheinungen wie die Friedensbewegung, Proteste gegen Atomkraftwerke, die Frauenbewegung, die Umweltbewegung, aber auch die Bewegung für eine solidarische Welt und die Alternativbewegung. Träger dieser Entwicklung war zwar eine Minderheit in der Gesellschaft, aber sie strahlte aus und konnte mitunter sehr viele Menschen für ihre Anliegen mobilisieren.

Mit einer gewissen Verzögerung erreichten diese Bewegungen auch die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Dies zunächst nicht auf der Ebene der etablierten Wirtschaft, sondern im Sinne einer jungen, nachwachsenden Gründungskultur. Seitens der Politik bestand die Annahme, dass die Menschen, die sich den neuen Bewegungen verbunden fühlen und sich in Initiativen zusammenschließen, nicht mit den herkömmlichen Strukturen erreichbar sind. Für autoritär organisierte Arbeitsformen und für Branchen mit Ausrichtungen, die den Anliegen der neuen Bewegungen entgegenstanden, waren sie eher weniger gut als Arbeitskräfte zu gewinnen.

Um das neue Feld nicht sich selbst zu überlassen, wurden etwa in Nordrhein-Westfalen eigens Strukturen und Programme aufgebaut. Man schuf z. B. eine landesweite Beratungsgesellschaft mit gesonderten Anlaufstellen für diese Milieus und sogar ein eigenes Kreditprogramm. Ein Ziel war es, die neu entstandenen Bewegungen mit angepassten staatlichen Instrumenten zu erreichen und damit auch einzubinden.


Zentrales Referenzprojekt


Wirtschafts- und Organisationsberatung in Nordrhein-Westfalen

Durchführung von ca. 40 betriebswirtschaftlich orientierten Beratungen für unkonventionelle Unternehmen sowie kooperativ geführter Betriebe und ökologieorientierter Unternehmen
Beteiligung an der Durchführung von zwei Organisationsberatungen in einem Team von Beraterinnen und Beratern für kooperativ geführte Betriebe und ökologieorientierter Unternehmen

Arbeitgeber: Gemeinnützige Gesellschaft zur Information und Beratung örtlicher Beschäftigungsinitiativen und Selbsthilfegruppen gGmbH, Bottrop (1989 bis 1992)


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